Donnerstag, 7. Dezember 2006

kleines Buch

Du brauchst dazu:

* Einen festen, ebenen Arbeitsplatz
* Schere, Cutter, Stahllineal, Stift
* Prittstift oder Buchbinderleim, Uhu, Schmierpapier als Klebeunterlage
* Pappdeckel (Wellpappe geht notfalls auch, sollte aber nicht zu dick sein)
* viel Papier (natürlich), Locher
* Bast (Lederschnur, Kordel, Geschenkband), ggf. Stopf- oder Häkelnadel
* Optional Heißklebepistole (zur sicheren Befestigung von Symbolen), Teppichklebeband (bei Verwendung von eher festem Einbandpapier), Selbstklebefolie (für normalstarkes Einbandpapier)
* und alles was du als Verzierung hernehmen willst.

Ich mag kleine handliche Formate, die auch in einer Jackentasche Platz haben, deshalb gelten die folgenden Beschreibungen für ein fertiges A6-Format (Postkartengrösse). Mein Vorschlag: mach ein Testbuch anhand meiner Anleitungen, dann hast du eine Vorlage für dein eigenes Buch, das du dann genau nach deinen Maßen und Wünschen gestaltest. Beim zweiten Mal geht dann sowieso alles leichter von der Hand.
Vorrichten der Lagen

Für ein Buch im A6-Format kannst du A4-Papier einmal längs und quer halbieren. Ideal wäre hierfür natürlich eine Schneidemaschine; scharfe Faltkanten und ein Küchenmesser erfüllen aber denselben Zweck. (Messer wie einen Brieföffner im Falz ansetzen, mehr als zwei Bögen auf einmal zu nehmen ist jedoch nicht empfehlenswert). Cutter und Stallineal kann man hierfür auch einsetzen, doch auch dann nicht zuviele Blätter auf einmal nehmen, damit die Schnitte sauber und gerade bleiben.

Nun musst du dir überlegen, wie dick dein Buch werden soll, damit du weisst, wieviele Blätter du falten musst. Bei 40 Seiten wären das 20 Blätter. (Jedes Blatt hat eine Vorder- und Rückseite). Plus 2 weitere Blätter im A5-Format auf Hälfte gefaltet, die den Buchblock (also die Blätter) mit dem Einband zusammenhalten.

Du kannst auch alle Blätter von A5 auf A6 falten, das erleichtert das Festhalten und Binden. Dabei kannst du 2, höchstens 3 Blätter ineinander legen. Im Beispiel wären das also 5 Lagen a 2 Blätter, plus ein einzelnes Blatt je vorne und hinten. Staple die Lagen in der Reihenfolge, wie sie im Buch erscheinen sollen, übereinander (bei einfachem Papier ist die Reihenfoge – ausser der Vorsatzblätter vorne und hinten – egal, bei bunten Lagen sollte die Reihenfolge ab jetzt immer eingehalten werden).

Jetzt geht's schon ans Eingemachte, denn nun müssen die Löcher für die Bindung gemacht werden. Hier ist es natürlich sehr wichtig, dass die Löcher bei allen Lagen an derselben Stelle sitzen. Umso gleichmässiger wird hinterher das fertige Buch. Am besten nimmst du ein weiteres (also 13.) Blatt und machst erst mal eine Probelochung. Dabei ist es sinnvoll, wenn das Papier im Locher liegt, die "Nase", die bei jeder Lochung die Mitte kennzeichnet, immer nachzumalen – so hast du eine Vorlage für alle Lagen.

Gelocht wird einmal in der Mitte, einmal am oberen Rand, so dass das Papier noch ca. 1 cm über den Locher hinausragt, und ebenso am unteren Rand. Das Ergebnis sollten dann 6 Löcher sein. Bei anderen Formaten können auch mehr Löcher erforderlich sein.

Ist das Ergebnis auf dem Probeblatt zufriedenstellend, werden damit als Schablone die anderen Lagen gelocht. Deshalb die Markierungen. Wichtig: Auch die Vorsatzblätter (also die Einzelblätter vorne und hinten) werden mitgelocht. Reihenfolge beachten!

Der Einband

Nun werden die Pappdeckel zugeschnitten. Hierfür ist genaues Messen gefragt. Der genormte Durchnittslocher positioniert die Löcher innerhalb von 1,5 cm vom Rand entfernt. Diese 1,5 cm müssen von der Blattbreite abgezogen werden. Hier wären das 10,5 cm minus 1,5 cm = 9 cm. Nun sollte der Einband aber immer etwas grösser als der Buchblock sein (nicht nur aus optischen Gründen, sondern auch, weil die Blätter so besser geschützt sind). Für dieses "etwas größer" sollte ca. 1 mm veranschlagt werden. Die Pappdeckel für vorne und hinten müssen also jeweils 9,1 cm breit sein. Die Papierhöhe ist 14,8 cm, da daran nichts weiter geändert wird, müssen nur für oben und unten je 1 mm hinzugezählt werden, also fertige Höhe der Pappdeckel jeweils 15 cm. Hier bitte genau abmessen, am besten vorzeichnen und mit dem Cutter und Stallineal sauber abtrennen. Der große Vorteil beim A6-Format ist der, dass die Rückseite von Schulblöcken völlig ausreicht, um daraus die beiden Deckel zu fertigen. Und zum Einbinden reicht normalerweise auch ein einfaches Blatt in der Größe A4 aus. Was z.B. auch sehr praktisch ist, wenn man den Einband per Drucker gestalten möchte :-)

Zur Auswahl eines geeigneten Musters bzw. Musterausschnittes kann man nun die zugeschnittenen Deckel an das Einbandpapier halten. So kann man sich leichter vorstellen, wie es später wirkt. Vor allem bei einem kleinen Buchformat wirkt das Muster doch oft anders als z.B. auf der 50 cm breiten Geschenkpapierrolle. Wenn der Buchblock (also der Papierstapel mitsamt den Vorsatzblättern) nicht höher als 1,5 cm ist, kann man zum Ausschneiden des Einbandes getrost ein Din-A4-Blatt als Größenvorlage nehmen. Hier kommt es auch nicht auf 100 % gerade Schnittkanten an. Wichtig ist, dass das Einbandpapier (oder Stoff) an allen Seiten ca. 1,5 bis 2 cm übersteht.

Um die Dicke des Buchblocks zu ermitteln, misst man am besten an der Vorderkante (also der dem Falz gegenüberliegenden Kante). Es müsste zu sehen sein, dass der Stapel an der Falzseite etwas höher (dicker) ist als ander Vorderseite. Bei der Einbandart, die ich hier vorstelle, ist es besser, den Buchblock 2 mm zu stark zu bemessen, als 2 mm zu dünn.

Die Pappdeckel dürfen nun schon mal auf dem grob zugeschnittenen Einband probeliegen. Hochkant nebeneinander. Einfach dran denken, dass hier bereits das offene Buch vor einem liegt – es fehlen ja nur noch die Blätter :-) Jetzt kann man sich grob anzeichnen, wo in etwa der obere Rand der Pappdeckel verläuft. Diese Linie sollte durchgehend mit einem Lineal sauber nachgezeichnet werden. Schließlich sollen Vorder- und Rückseite ja auf gleicher Höhe liegen.

Zwischen den Deckeln muss allerdings Luft bleiben. Hier müssen die 1,5 cm der Lochung wieder eingerechnet werde, die wir beim Zuschneiden der Pappdeckel abgezogen haben. Das Ganze natürlich zweimal (Vorder- und Rückseite), zuzüglich der Dicke des Buchblocks. Also hier 1,5 cm + 1,5 cm (Dicke des Buchblocks) + 1,5 cm [wobei die 1,5 cm für die Lochung stehts dasselbe Mass sind. Zumindest wenn man herkömmliche Locher verwendet]. Die beiden Deckel müssen also in einem Abstand von 4,5 cm auf den Einband aufgeklebt werden. Das am besten auch wieder ausmessen und anzeichnen (alle Hilfslinien selbstverständlich auf der Rückseite, also der Seite, die verklebt wird).

Wenn der Einband aus Ton-, Packpapier, Stoff oder ähnlichem festeren Material besteht, können die Deckel gleich eingeklebt werden. Bei Verwendung von normalen Schreib- oder Geschenkpapier muss (sollte) dieses zuerst mit Selbstklebefolie kaschiert werden. Die wird natürlich auf die „schöne“ Seite aufgeklebt. Hierfür die Folie in der Größe des Einbandes zuschneiden, einen schmalen Streifen der Trägerfolie auf der kurzen Seite abziehen und auf dem Einband fixieren. Hat man das faltenfrei geschafft, sich zentimeterweise festreibend weiterarbeiten, bis die gesamte Folie aufgeklebt ist. Spätestens jetzt erklärt sich der glatte und feste Arbeitsplatz :-) Mit einem weichen Tuch nochmals andrücken. Nun können die Deckel auf der Rückseite angeklebt werden.

Wer will, kann hier auf Folie verzichten, sollte dann aber zumindest den „freien“ Raum zwischen den Deckeln (hier 4,5 cm) von innen mit Teppichklebeband verstärken. Allerdings hat sich gezeigt, dass sich der Kleber durch die Löcher „zieht“ was die Bindearbeit erschwert. Hier kann ich nur einen Rat geben: probieren.

Nun liegt also der Einband mit den aufgeklebten Deckeln vor dir. Die Ecken kannst du mit ca. 1-2 mm „Luft“ schräg abscneiden, dann werden die überstehenden Laschen ringsum umgeknickt und festgeklebt. Wichtig sind hier die Ecken: Gut mit Kleber beschmieren, und mit dem Fingernagel (oder einem Löffelstiel) die Kanten gut herausarbeiten und entstehende Umschlagkanten festdrücken. Bei den langen Seiten (oben und unten) zeigt sich, wie genau du gearbeitet hast, denn diese Umschläge sollten über beide Deckel hinweg eine gerade Linie bilden. Der freie Raum in der Mitte (die 4,5 cm) werden durch den Umschlag oben und unten nochmal zusätzlich verstärkt.

Das „Einhängen“ des Buchblocks

Lege jetzt den Blätterstapel probeweise auf die Rückseite und schlage den Vorderdeckel darüber. Jetzt hast du schon mal einen ersten Eindrück, wie dein Werk fertig aussehen wird. Nun schlägst du den Deckel wieder auf, und nimmst das oberste Blatt mit. Den Buchblock legst du erst mal wieder weg, nur das letzte Blatt behältst du hier. Nun hast du also den Einband (schöne Seite nach unten) mit den beiden Vorsatzblättern vor dir liegen, deren Falzseiten jeweils zur Mitte zeigen – wie das fertige Buch eben aussehen soll. Liegen die beiden Seiten gleich auf, hier kommst du mit Augenmass vermutlich besser zurecht, als mit Metermass. An den jeweils 3 Aussenkanten sollten nun je ca. 2 mm überstehen. Wenn du dir die Löcher anschaust, dann sollten die Blätter so liegen, dass der Pappdeckel durch die Löcher gerade noch nicht zu sehen ist. Eben so, wie wir ja auch gemessen haben! Präge dir dieses Arrangement gut ein, denn genau so werden diese beiden Seiten nun eingeklebt. Damit werden die Umschlänge des Einbandes auch überklebt, weshalb hier beim Zuschneiden die große Genauigkeit auch nicht nötig war. Als Ergebnis hast du nun einen mit den Vorsatzblätter sauber verklebten Umschlag. Und die erste und letzte Seite deines Buches :-) Mit dem Cutter machst du nun anhand der Löcher in den Vorsatzblättern kleine feine Ritze in den Umschlag. Im Beispiel also 2 x 6.

Nun brauchst du Nadel und Faden (Bast, Schnur, ... ) Messe ca. die 4fache Buchhöhe ab, und fädle den Faden durch die Nadel. Nun stösst du die Blätter des Buchblocks nochmal gerade auf und legst sie sauber zwischen die beiden eingeklebten Blätter in den Einband. Von der Seite kannst du kontrollieren, dass alles gerade sitzt. Gut festhalten! Du hast jetzt dein (fast) fertiges Buch in den Händen, Vorderseite nach oben. Nun stichst du von oben nach unten ins 3. Loch von unten zählend ein und ziehst den Faden bis auf 10-15 cm durch. Dann von hinten nach vorne ins 2.letzte Loch, dann ins letzte, von dort wieder rauf ins 2, dann ins 3. - jetzt bist du praktisch wieder dort angelangt, wo du angefangen hast. Nun geht's nach oben weiter: in 3. Loch von oben, ins 2, ins oberste, zurück ins 2., ins 3. - nun liegen die beiden Enden jeweils in den mittlersten zwei Löcher auf der Vorderseite. Ggf. solltest du die einzelnen Stiche nochmals etwas nachziehen, aber nicht zu fest. Dass es zu viel war, merkst du daran, dass das Buch nach vorne aufklafft.

Die beiden Enden kannst du jetzt verknoten, Schleife binden, Dekoration mit einknoten... hier sind deiner Fantasie keine Grenzen gesetzt – doch ein Doppelknoten ist in jedem Fall zu empfehlen.

Damit der Kleber sich beim Trocken nicht wellt, solltest du das fertige Buch über Nacht unter einem Bücherstapel o.ä. pressen. Erhabene Symbole etc. sollten erst danach angebracht werden. Ansonsten ist dein Werk nun fertig.

Wenn du magst, kannst du es noch zusätzlich weihen, ihm seinen Zweck übergeben.

Und so kann es dann aussehen:

kleines Buch

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